Sinn und Gedächtnis

Der Ausgangspunkt meines Vortrags sind die Differenzen in den theoretischen Grundlagen der Forschungen zu sozialen Gedächtnissen, einerseits die von Olick am Verständnis des Kulturbegriffs festgemachte  Kluft zwischen subjektivem und objektiv-symbolischem Verständnis von sozialen Gedächtnissen und andererseits die von Sebald und Weyand ausgemachte Differenz zwischen interaktionsbasierten und differenzierungstheoretischen Ansätzen. Eine Überbrückung dieser Differenzen kann nur auf einer entsprechend abstrakteren, grundbegrifflich neu zu justierenden Ebene gelingen. Hierfür schlage ich die Begriffe Generalisierung, Sinn und Situation vor und werde in meinem Vortrag einen m. E. geeigneten
Sinnbegriff entwickeln. 

Wenn wir davon ausgehen, dass Sinn der allgemeine Modus des Weltzugangs ist, gilt es denn Sinnbegriff, um ihn für eine Theorie des Gedächtnisses fruchtbar zu machen in seinen zeitlichen Dimensionen, seiner Fundierung in Selektivität und seinen unterschiedlichen sozialen Ausprägungen zu fassen. Ein fundamentales Problem liegt dabei in der (In-)Stabilität von Sinnzusammenhängen. Potentiell kann immer alles anders sein. Angesichts eines ständig veränderten gegenwärtigen Kontexts und der Nachträglichkeit, das heißt der Abhängigkeit von zukünftigen Anschlüssen, sind Sinnvollzüge zuvorderst und generell instabil.  Vergangenheitsbezüge sind aus dieser Sicht eine Form der Stabilisierung von Sinnbezügen, entsprechend ist in jedem Sinnvollzug eine basale Form von Gedächtnis involviert. Des weiteren ist ein wichtiges, keineswegs
jedoch die ausschließliche Bestimmung des Sinnbegriffs, die Selektivität. Entsprechend gilt es, Selektionsinstanzen und widersprüchliche Selektivitäten bei der Begriffsbestimmung zu berücksichtigen. Das führt schließlich zum Problem der unterschiedlichen sozialen Ebenen, auf denen Sinnvollzüge stattfinden. Hier würde ich die Differenzierung von subjektiver, situativer und transsituativer Ebene vorschlagen, die sich
überlagernd mit je eigenen Generalisierungen und spezifischen Selektivitätsmustern aktuelle Sinnvollzüge ausmachen und dabei auf unterschiedlichen Formen sozialer Gedächtnisse zurückgreifen.

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